Mystische Rauhnächte

Ich persönlich finde, dass schon das Wort „Rauhnächte“ sehr mystisch klingt. Schon als ich ein Kind war, freute ich mich auf die stille, dunkle, mystische Zeit, in der wir mit unserer Mama Kekse gebacken und Weihnachtsschmuck gebastelt haben.

Die dunkle Zeit beginnt ja eigentlich schon mit der Herbst-Tagundnachtgleiche am 21. September. Die Tage werden immer kürzer und die Natur zieht sich zurück. Die Blätter verfärben sich und fallen zu Boden.
Leider haben die meisten Menschen in den letzten schnelllebigen Jahrzehnten die Verbindung zur Natur verloren und diese Zeitqualität auch nicht mehr gespürt. Aber wenn du einmal ganz tief in dich blickst und hineinfühlst, ist wahrscheinlich auch in dir ein Teil, der sich in dieser Zeit nach Ruhe und Gemütlichkeit, heißem Kakao (oder Tee) und warmen Socken sehnt.

Rauhnächte

Die Rauhnächte entstanden aus dem Unterschied zwischen Mondjahr und Sonnenjahr. Ein Mondjahr hat 354 Tage, ein Sonnenjahr 365. Dazwischen liegen 11 Tage / 12 Nächte. In einem Schaltjahr sind es genau 12 Tage. Diese 11 / 12 Tage wurden auch Zeit zwischen den Zeiten oder Zeit zwischen den Jahren genannt.

Es gibt mittlerweile unterschiedliche Auslegungen der Rauhnacht-Zeit. Wenn man die Berechnung mit 1. Jänner beginnt, endet das Mondjahr genau am 21. Dezember und die Rauhnächte dauern bis 1. Jänner. Die Kirche startet die Rauhnächte mit dem 25. Dezember und diese dauern bis zum 6. Jänner. Außerdem werden die beiden Varianten auch kombiniert, sodass die Rauhnächte mit dem 21. Dezember beginnen und es werden die 4 Sonn- und Feiertage ausgelassen. Dann enden die Rauhnächte am 6. Jänner.

Die Wortherkunft der Rauhnächte ist nicht ganz eindeutig. Einerseits gibt es das mittelhochdeutsche Wort „ruch“, welches haarig, rau, ungezähmt bedeutet. Andererseits kann es auch von Ruch / Räuchern abgeleitet werden, weil schon in frühen Zeiten Haus und Hof geräuchert wurden, um Dämonen und Krankheiten zu vertreiben.

Für die Rauhnächte gab und gibt es verschiedene Namen:

  • Losnächte: Kartenlegen, Orakeln, Bleigießen
  • Rauchnächte: Räucherrituale
  • Glöcklernächte: mittelhochdeutsch „Klocken“ = anklopfen – alter Einkehrbrauch
  • Schweige-/ Stillenächte: stille Zeit
  • Schwarze Nächte: Dunkelheit
  • Die Zwölften: zwölf Nächte
  • Raubnächte: Viehräuber
  • Wolfsnächte: Wolfsrudel kamen den Menschen nahe

Die Mythologie der Rauhnächte

In der germanischen Mythologie zieht Odin/Wotan auf seinem achtbeinigen Schimmel Sleipnir durch die Lüfte zur wilden Jagd. Er reitet durch die Welt der Lebenden ins Reich der Toten und zurück. Auf den Schultern Wotans befinden sich die beiden Raben Hugin (der Gedanke) und Munin (Erinnerung/Gedächtnis). Auch Wölfe begleiten Wotan auf seinem Weg, die ihn als mächtigen Schamanen ausweisen. Außerdem beteiligen sich an der wilden Jagd noch Geister, Tote und wilde Hunde.

Odin mit Hugin und Munin
Odin mit Hugin und Munin

Das wilde Heer schafft Ausgleich für das Unrecht, welches unerlösten Seelen widerfahren ist. Wotan brachte aber auch Segen für die Erde und das Wasser.

Bei uns im Alpengebiet wurde die wilde Jagd von der Percht angeführt, welche die Göttin Holle verkörpert. Holle war die große Muttergöttin der alteuropäischen Kulturen.

Holle = die Huldvolle, Holde, Helle
Perchta/Berchta = die Glänzende

Die Göttin Holle hat ein helles Reich, aus welchem die Ahnen (Toten) wieder in ein neues Leben treten und vom Storch begleitet werden. Nach dem Lebenszyklus kehren die Seelen wieder in das Reich der Holle zurück, um auszuruhen. Die Göttin Holle/Perchta kommt mit der wilden Jagd, um verirrte Seelen durch die Dunkelheit zu begleiten.

Für die Göttin Perchta wurde ein Glas „Perchtlmilch“ bereitgestellt, dafür segnete die Göttin das Haus.

In den Rauhnächten wurde aber auch noch von anderen unheimlichen Wesen erzählt:

  • unerlöste Seelen
  • Werwölfe
  • Wölfe
  • die Habergeiß (Wesen aus Bock und Ziege, das mit dem Krampus kam)
  • Druden: zottige Wesen, die Menschen im Schlaf würgten
  • Hexen
  • Perchten

Die Träume in den Rauhnächten sind sehr bedeutsam. Jede der 12 Nächte steht für ein Monat im kommenden Jahr und die Träume in dieser Nacht weisen auf den Monat hin.

Die Rauhnächte sind die Zeit, in der wir nach innen blicken sollten. Es ist die Zeit der Stille und Einkehr und damit auch die Zeit der Rituale. Was möchte ich in diesem Jahr noch abschließen und womit möchte ich das neue Jahr beginnen.

Eine sehr gute Investition für diese Zeit ist ein Tagebuch, in dem man Gedanken, Erkenntnisse und Träume notieren kann.

Wenn man die Möglichkeit hat, immer wieder ein Feuer entfachen, mit den Flammen meditieren und orakeln. Immer wieder Opfergaben an die Natur abgeben in Form von Nüssen, Milch, Brot, Honig, …

Auch Meditationen, Spaziergänge in der Natur und begleitendes Räuchern sind sehr hilfreich in dieser Zeit.

Ganz speziell heuer, im Jahr 2021, mit all seinen Drehungen und Wendungen, mit seiner enormen Sprengkraft aber auch den vielen Ängsten und Verunsicherungen, ist es umso wichtiger, dass man sich in die Stille begibt und wieder zu sich findet.
Ganz wichtig ist es, das Haus / die Wohnung immer wieder auch energetisch zu reinigen, zum Beispiel mit einer guten Reinigungsräucherung. Dafür mischst du Salbei, Beifuß, Rainfarn, Kiefernharz und Wacholder (oder zumindest einzelne dieser Kräuter) und verräucherst es auf einer Räucherkohle. Zum Reinigen gehst du gegen den Uhrzeigersinn durch die Wohnung und schaust, dass der Rauch auch in alle Ecken und Spalten hinein kann. Dann öffnest du die Fenster, so dass der Rauch und der ganze energetische Müll, der sich gelöst hat, die Wohnung verlassen kann. Anschließend baust du die Energie in der Wohnung wieder auf, indem du mit Weihrauch oder einer guten Aufbaumischung aus Engelwurz, Weihrauch, Mastix oder Dammar im Uhrzeigersinn durch die Wohnung gehst und von unten nach oben nochmals räucherst. Danach brauchst du die Fenster nicht mehr zu öffnen.

Setze dich immer wieder an einen ruhigen Ort und spüre dich selbst. Schließe die Augen und fühle, wie sich deine Füße, deine Beine, dein Bauch, dein Oberkörper, deine Arme und Hände, dein Hals und dein Kopf anfühlen. Begrüße alle Gedanken, die da sind, ohne sie zu bewerten und lass sie dann auch wieder ziehen. Zünde dir dabei ein gutes Räucherstäbchen an oder arbeite mit ätherischen Ölen, die dir gut tun.

Und vielleicht ist es auch möglich, die Rauhnächte so gut wie möglich zur nachrichtenfreien Zeit zu machen. 🙂